Liechtenstein – ein Steuerparadies?

Februar 21, 2008

Der Kreditmakler schmunzelt über die vielen Berichte und Skandale, die derzeit Liechtenstein ins rechte oder „unrechte“ Licht setzen. Ein Artikel von Focus online gefällt uns gut:

Lasst Liechtenstein leben!

„Auch wenn das kleine Steuersparland masslos überschätzt wird: Wir brauchen dieses scheinbare Abgaben-Paradies – sonst senkt unser Staat seine Steuern nie….“
…von der Welt der Reichen und Gerissenen findet man in Liechtenstein wohl keine Spur. Graue Büro-Betonblöcke, schmuddelige Strassen, hässliche altmodische Appartements sollen den Eindruck des kleinen Steuerparadieses prägen. Darüber dass Liechtenstein eine Steuer-Oase sein soll, gar ein raffiniertes Abgaben-Paradies für die ganz cleveren Steuertrickser – darüber lacht man sich in den echten Geld-Fluchtburgen schon seit Jahren schlapp. Also auf den Kanalinseln (Guernsey, Jersey), den Cayman Islands und neuerdings auch in Singapur. Merke: Wer heute noch glaubt, sein Geld in Liechtenstein verstecken zu können, ist nicht gerade der Schlaueste – oder heisst Zumwinkel.

Wie soll man auch ein angebliches „Steuerparadies“ ernst nehmen, in dem Bankmitarbeiter seit Mitte der 90er-Jahre immer wieder CDs und DVDs mit heiklen Kundendaten verkaufen – wahlweise an Kriminelle oder Steuerfahnder? Was soll man von der Justiz eines Ländchens halten, in dem so gut wie jeder mit jedem verwandt oder verschwägert ist – und im Falle eines Prozesses der Richter dem Plädoyer seines Schwagers (Staatsanwalt) lauschen müsste? (Kleine Anmerkung: Damit wenigstens das nicht geschieht, muss man sich immer wieder Personal in Österreich ausleihen …).

Das Beste an Liechtenstein ist, dass es überhaupt noch existiert. Denn sein – seltsamerweise – immer noch guter Ruf als Fluchtburg hilft, dass der deutsche Staat seine Steuern nicht noch stärker erhöht hat. Der Grund: Mit einem (scheinbaren) Steuerparadies nahe der Landesgrenzen wächst die Bereitschaft der Bürger, sich einem als zu stark empfundenen Zugriff des eigenen Staats zu entziehen. Das mag nicht jedem gefallen, ist aber Realität.

Ebenso wie die Tatsache, dass der deutsche Fiskus ohnehin bereits kräftig abkassiert (42 Prozent Spitzensteuersatz, 5,5 Prozent Soli-Zuschlag, 3,0 Prozent „Reichensteuer“). Dabei trifft der Staat aber weniger die befehdeten und befahndeten Supervermögenden – sondern vor allem die Leistungsträger. Also die engagierten Facharbeiter, die hoch qualifizierten Angestellten und die erfolgreichen Selbständigen. Denn vor allem sie bilden jene viel zitierten zehn Prozent der Steuerzahler, die stolze 50 Prozent der gesamten Einkommensteuer entrichten – zu einem dieser „Top-Steuerzahler“ wird man übrigens schon ab einem Jahresbrutto-Einkommen von 65 950 Euro.

Den Fall Zumwinkel könnte die grosse Koalition der Abkassierer nur allzu gern als Anlass nehmen, die Steuergesetze weiter zu verschärfen. Und womöglich auch die Abgaben zu erhöhen. Damit das nicht passiert: Lasst Liechtenstein leben – es kann uns immerhin vor neuen Steuerattacken schützen.

Quelle: focus.de vom 20.02.2008