…die US-Immobilienkrise zeigt wieder einmal mehr, wie wichtig beim Haus- oder Wohnungskauf eine gesunde Objektfinanzierung ist. Ein Grundübel des amerikanischen Hypothekenmarktes war: Er wurde mit einem angeblich zu erwartenden aufgeblasenen Wertzuwachs und Einnahmen finanziert, die – wenn überhaupt – allenfalls erst in ferner Zukunft hätten erzielt werden können. So haben Leute teure Häuser und die passenden Möbel und Auto gleich mitgekauft, die sie unter normalen Umständen eigentlich nie hätten erwerben können.
Wie man weiss, haben in den USA auch die deutschen Banken tüchtig zugelangt. In Deutschland blieb dagegen das Hypothekengeschäft glücklicherweise weitgehend auf sicherem Boden. Die Banken gehen hierzulande bei Hypotheken von einer bestimmten Belastungsgrenze ihrer Kunden aus. Das ist der Betrag, von dem die Kreditinstitute glauben, dass der Kunde diesen voraussichtlich problemlos jeden Monat zurückzahlen kann. Die Belastungsgrenze liegt zum Beispiel bei einem Nettoverdienst von 1.300 € bei ca. 30 % und bei einem Nettoeinkommen von 1.500 € bei 35 %. Grundsätzlich gilt: Mit noch höheren Einkommen bemessen die Banken die Belastungsgrenze immer grosszügiger.
Bei Vollfinanzierung einer Immobilie erwarten die Banken in der Regel neben einer ausgezeichneten und vor allem dauerhaft gesicherten Bonität ein monatliches Nettoeinkommen ab 2.200 €. Viele Anbieter erlauben eine Vollfinanzierung von Immobilien nur bis zum 7- bis 9-Fachen des Jahresnettoeinkommens. Sie können an Hand dieser Faustziffer schnell selbst ermitteln, wie viel die von Ihnen ins Auge gefasste Immobilie kosten darf. Bei der Vollfinanzierung sollten Sie eine möglichst lange Zinsbindung wählen. Orientieren Sie sich an 15; noch besser 20 Jahren. Falls Sie auf in Zukunft niedrigeren Zinsen spekulieren sollten, könnten Sie die lange Zinsbindung dennoch unterschreiben. Denn nach Ablauf der ersten 10 Jahre können Sie den Kredit mit einer Frist von 6 Monaten kündigen. Wichtig ist bei der Vollfinanzierung aber, dass Sie die Schulden wegen der grossen Summe gleich am Anfang hoch tilgen; mindestens 2 %.
Denken Sie immer rechtzeitig an eine Anschubfinanzierung. Behalten Sie daher das Ende der Zinsbindungsfrist im Blick und verhandeln Sie mit Ihrer Bank mindestens 6 Monate vor Darlehensende neu. Sie sollten sich alternative Angebote von anderen Kreditinstituten einholen.
Und noch ein Rat: Lügen Sie sich beim Hauskauf nie selbst etwas „in die Tasche“, sogar dann nicht, wenn die Bank bereit sein sollte, grosszügig Hypotheken zu spendieren. Machen Sie gnadenlos vor dem Kauf einen persönlichen Kassensturz: Ihr Nettogehalt plus etwaiges Kindergeld und sonstigen Einnahmen und Nebeneinkünfte sind dabei die eine Seite der Rechnung. Ihre regelmässigen monatlichen Ausgaben sind die andere. Erst aus der Bilanz zwischen Einnahmen und Ausgaben können Sie ermitteln, welches Einkommen Ihnen später tatsächlich für die Bedienung eines Kredits zur Verfügung stehen wird.
Deshalb ist beim Bauen das Eigenkapital so wichtig. 20 bis 30 % Eigenkapital werden im allgemeinen empfohlen. Je mehr Sie an Eigenkapital einbringen, desto niedriger wird gewöhnlich der Zinssatz sein, den Ihnen die Banken anbieten werden.
Lassen Sie sich bei der Finanzierung immer Angebote mit unterschiedlichem Eigenkapital vorlegen. Aber: Sie sollten bei der Mobilisierung Ihres Eigenkapitals nicht über das Ziel hinausschiessen. Auf eine Notreserve von zwei bis 3 Monatsgehältern müssen Sie immer zurückgreifen können, damit Sie weiterhin eine Geldreserve für unvorhergesehene allgemeine Ausgaben haben. >>Immobilienkredit gleich online beantragen und errechnen lassen
Quelle: Verlag Deutsche Wirtschaft